Angefangen hat es mit Paul Klee, und zwar, wie alles, was wirklich anfängt, vollkommen zufällig, in einer Berliner Ausstellung, deren Ort ich vergessen habe, weil man das Wichtige naturgemäß immer vergisst und nur das Unwichtige behält. Ich bin als Jugendlicher vor seinen Bildern stehen geblieben, länger als je zuvor vor irgendeinem Bild, vor diesen winzigen Motiven, diesem Glanz, diesen Farben, und vor etwas, das ich bis heute nicht benennen kann und, wenn ich ehrlich bin, auch gar nicht benennen will.
Im September 2001 bin ich dann mit einem Freund nach Bern gefahren, wegen eines Festivals, zwei Abende elektronische Avantgarde in der Dampfzentrale, direkt an der Aare. Ich habe die Gassen gesehen, die Brücken, das Licht über dem Wasser, und an Klee habe ich nicht ein einziges Mal gedacht. Nicht ein einziges Mal. Ich bin durch seine Stadt gegangen wie durch irgendeine Stadt, also so, wie alle durch alle Städte gehen: mit offenen Augen und vollkommen blind.
Aufgefallen ist mir das erst viel später, und es war mir so peinlich, dass daraus der Club entstanden ist. Seitdem schicke ich die Maler zurück in ihre Städte und lasse sie hinsehen, auf die Glasfassaden, die alle gleich aussehen, auf die Kettencafés, die alle gleich heißen, auf die Plätze, über die alle hinweglaufen, weil alle auf ihr Telefon schauen, und zwar ausnahmslos alle. Die Maler sind naturgemäß nicht einverstanden. Das ist keine Nostalgie, die alte Welt war nicht besser, sie war in vielem schlimmer. Aber die Leute, die in ihr gemalt haben, hatten einen Blick, den wir gerade mit großer Gründlichkeit verlernen.
Paul Klee und Bern waren der Anfang. Die Ausgabe ist längst fertig, und sie erscheint, wenn es so weit ist, keinen Tag früher. Bis dahin gehe ich weiter, Stadt für Stadt, und nehme jeden mit, der lieber hinschaut als wegscrollt. Das sind nicht viele. Aber es sind die Richtigen.
